Freitag im Morgengrauen ist unseren Menschen ein Findling zugelaufen, bzw er sitzt ängstlich piepend im Gras unter ihrem Schlafzimmerfenster. Die Dosenöffnerin wird durch das leise weinen geweckt und zählt erstmal uns Katzen nach. Sind wir alle zu Hause oder befinden sich Ikkie und Wahoo noch auf Nachtwanderung? Ist vielleicht einer der beiden verletzt? Natürlich sind meine großen geschwister nicht daheim, aber mit Blick durch die Katzenklappe auch nicht in Sichtweite. Da das leise weinen aufhört entschließt sie sich nochmal zurück ins Bett zu gehen. Etwa eine Stunde später wird sie wieder davon geweckt. Diesesmal sitze ich mit Wahoo ganz aufgeregt auf der Fensterbank und starre in den Garten. Von Ikkie ist weiterhin nix zu sehen. Nun entschließt sich die Menschin der Sache auf den Grund zu gehen, schmeißt sich in ihren Jogginganzug, stolpert im Dunklen über Ikkie – die ist nämlich doch schon zurück, zieht die Rollos hoch und betritt über die Terrasse den Garten.
Da sitzt eine getigerte Katze im Gras die herzzereißend fiepst. Ja Charlie, hören wir sie rufen, was ist denn los mit dir? Sehen können wir nix – hat sie doch die Katzenklappe und Terrassentür einfach zu gemacht und uns nicht mal mitgenommen! Was als nächstes passiert, wissen auch wir nur vom erzählen.
Charlie ist der Kater einer Nachbarin von der anderen Straßenseite. Auch er ist bekannt für seine Nachtwanderungen. Vielleicht ist er verletzt und kann seine Kletterhilfe für nach Hause nicht erklimmen, oder seine Menschen machen im die Tür nicht auf, oder …. jedenfalls nach direkter Ansprache verschwindet er aus dem Garten und flüchtet sich unter das Auto seiner Besitzer. Na gut, so dick befreundet sind wir nun auch nicht. Aber er lunzt unterm Auto durch und fägt wieder das jammern an. Also fängt das Spiel von vorne an. Charlie, komm doch mal her. Was ist denn nur los … usw. Er lässt sich erweichen und kommt zurück, wanzt sich an unsere Dosi ran und überzeugt sie, ihm ein Futternäpfchen zu spendieren … und ein zweites … und einen großen Schluck aus dem Wassernapf. Obwohl ihr Charlie doch recht klein vorkommt versucht sie die Nachbarin zu erreichen. Erst reichlich später erwischt sie den Sohn, der ihr mitteilt das Charlie schon daheim ist.
Wer also ist die geheimnisvolle Katze? – Die hat es sich schon auf den Gartenmöbeln gemütlich gemacht und zeigt nun endlich ziemlich unverblümt das sie ein Mädchen ist. Sehr selbsbewußt gibt sie sich mit vollem Bäuchlein, und deutet an mit in die Wohnung zu wollen als sich unsere Dosi mit ihrem Mann besprechen will. Das geht natürlich nicht, denn wir sitzen schon alle an der Tür und warten nur darauf auszubrechen. Großes gefauche beginnt als wir uns durch den Spalt der geöffneten Tür quetschen und auch Hades, unser Kumpel ist schon da. Zum Glück für alle escaliert die Situation nicht, die heimischen Katzen ziehen sich zurück und auch Hades geht der Sache erstmal aus dem Weg. Die Gelegenheit für die Menschen sich zu Besprechen. eine der Transportkisten wird aus dem Keller geholt, und der Findling in die Kiste gelockt. Das geht sogar ziemlich fix und das arme Ding sieht auch ziemlich geschafft aus, zurfrieden rollt sie sich zusammen und schließt die Äuglein.
So gegen 8:30 Uhr wird sie von den beiden Menschen zum Tierarzt gebracht um rauszufinden ob sie gechippt ist und ob man den Halter ermitteln kann. Leider ohne Erfolg! Der Doc schätzt sie auf 6-9 Monate, leider ist sie auch weder ihm noch seiner Helferin bekannt! Der Tierschutz wird informiert und in der Gesamtsituation rät mandazu, die Kleine ziehen zu lassen um ihr zuhause selbstständig zu finden. Auf dem Heimweg ist der kleine Findling sofort eingeschlafen und unsere Menschen entscheiden sich dazu ihm für die nächsten 24 Stunden im Badezimmer Asyl zu gewähren.
Gut gefüttert und ausgeschlafen wird sie sicher in ihr eigenes Zuhause zurückfinden.
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